Die Accessoires der Barockmode

Die Accessoires der Barockmode

Perücken, Hüte, Schuhe, Fächer, Handschuhe und Schmuck

Ein prachtvolles Seidenkleid oder ein reich bestickter Justaucorps allein machten noch kein vollständiges höfisches Erscheinungsbild aus.

Erst Frisur oder Perücke, Kopfbedeckung, Schuhe, Handschuhe, Schmuck und weitere Accessoires vervollständigten die Kleidung. Viele dieser Dinge erfüllten dabei weit mehr als nur einen praktischen Zweck.

Sie konnten gesellschaftlichen Rang, Wohlstand, modisches Bewusstsein und die Zugehörigkeit zur höfischen Welt sichtbar machen.

Doch genau wie die Kleidung veränderten sich auch die Accessoires während der rund 150 Jahre, die wir heute mit der Barockzeit verbinden.

Der breitkrempige Federhut der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die mächtige Herrenperücke der Zeit Ludwigs XIV. und die feinen Fächer des frühen 18. Jahrhunderts gehören deshalb zwar alle in diese Geschichte – aber nicht unbedingt in dasselbe Jahrzehnt.

Perücken – eine neue Silhouette für den Kopf

Kaum ein Accessoire wird heute so unmittelbar mit der höfischen Welt des Barock verbunden wie die große Herrenperücke.

Doch zu Beginn des 17. Jahrhunderts gehörte sie keineswegs selbstverständlich zur europäischen Herrenmode.

Männer trugen ihr eigenes Haar zunächst häufig länger. Einen entscheidenden Einfluss auf die zunehmende Verbreitung von Perücken am französischen Hof hatten im 17. Jahrhundert die Könige Ludwig XIII. und später Ludwig XIV.

Unter Ludwig XIV. entwickelte sich die Perücke schließlich zu einem wichtigen Bestandteil des repräsentativen männlichen Erscheinungsbildes.

Besonders eindrucksvoll waren die langen, lockigen Perücken des späten 17. Jahrhunderts. Ihre Haarmassen konnten bis weit über die Schultern reichen und rahmten den Oberkörper beinahe wie ein Kleidungsstück.

Die Herstellung hochwertiger Perücken war aufwendig. Verwendet wurde unter anderem menschliches Haar; daneben kamen je nach Qualität und Zweck auch andere Materialien zum Einsatz.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts veränderten sich die Formen. Die riesigen Lockenmassen des späten 17. Jahrhunderts wurden zunehmend durch kompaktere und stärker geordnete Frisuren ersetzt.

Auch das Pudern von Haar und Perücken wurde besonders im 18. Jahrhundert zu einem wichtigen Bestandteil modischer Erscheinungsbilder.

Die typische „Barockperücke“ gab es also ebenso wenig wie das typische „Barockkleid“.

Ihre Form kann heute sogar dabei helfen, ein historisches Porträt zeitlich einzuordnen.

Damenfrisuren – zwischen Locken, Bändern und Höhe

Auch die Frisuren der Frauen veränderten sich im Laufe des 17. Jahrhunderts erheblich.

In der ersten Hälfte und um die Mitte des Jahrhunderts finden sich auf Porträts häufig weichere Frisuren mit Locken, die seitlich das Gesicht rahmen oder über die Schultern fallen.

Später wurden Frisuren stärker aufgebaut und mit Bändern, Schmuck oder anderen dekorativen Elementen kombiniert.

Besonders spektakulär wurde die Entwicklung gegen Ende des 17. Jahrhunderts mit der Fontange.

Diese hohe Frisur beziehungsweise Kopfgarnitur entstand aus einer Kombination von hochgestecktem Haar, Bändern, Spitzen und einer stützenden Konstruktion. In den 1690er-Jahren konnte sie beträchtliche Höhen erreichen.

Damit veränderte ein Accessoire die gesamte Silhouette einer Frau.

Nicht nur Rock und Mieder bestimmten also die Proportionen des Körpers – auch der Kopf gehörte zur modischen Gesamtkomposition.

Hüte – Federn, Krempen und der Weg zum Dreispitz

Hüte gehörten besonders in der Herrenmode zu den auffälligsten Accessoires.

In der ersten Hälfte und um die Mitte des 17. Jahrhunderts waren breitkrempige Hüte verbreitet. Sie konnten mit Bändern, Schleifen und vor allem Federn geschmückt werden.

Die weiche Krempe ließ sich unterschiedlich tragen und formen.

Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts wurden Hutkrempen zunehmend hochgeschlagen. Aus dieser Entwicklung entstand schließlich jene dreiseitig aufgeschlagene Form, die heute gewöhnlich als Dreispitz beziehungsweise Tricorne bezeichnet wird.

Besonders um 1700 und im frühen 18. Jahrhundert wurde diese Form charakteristisch.

Doch ein kostbarer Hut war nicht nur Kopfbedeckung.

Material, Besatz und Verarbeitung konnten ebenso wie beim übrigen Gewand den gesellschaftlichen Status seines Trägers sichtbar machen.

Und manchmal wurde ein prächtiger Hut sogar unter dem Arm getragen – insbesondere dann, wenn eine große Perücke das tatsächliche Aufsetzen wenig praktisch machte.

Schuhe – Mode bis zu den Zehenspitzen

Unter langen Röcken sind historische Schuhe auf Gemälden manchmal kaum zu erkennen. Trotzdem spielten sie in der Mode eine wichtige Rolle.

Schuhe konnten aus feinem Leder oder kostbaren Textilien gefertigt und mit Bändern, Rosetten, Stickereien oder später auffälligen Schnallen versehen werden.

Besonders interessant: Absätze waren keineswegs ausschließlich Frauensache.

Auch Männer der höfischen Oberschicht trugen Schuhe mit Absätzen.

Berühmt wurden vor allem die roten Absätze am französischen Hof Ludwigs XIV. Sie entwickelten sich zu einem Zeichen privilegierter höfischer Stellung und sind auf zahlreichen repräsentativen Darstellungen des Königs und seiner Umgebung zu erkennen.

Die Form der Schuhe änderte sich ebenso wie die Kleidung.

Zehenform, Absatz, Verschluss und Dekoration können deshalb wichtige Hinweise auf die Entstehungszeit eines erhaltenen Schuhs oder einer Darstellung geben.

Schuhschnallen – kleine Objekte mit großer Wirkung

Im Laufe des späten 17. und besonders des 18. Jahrhunderts wurden Schnallen zu auffälligen Bestandteilen modischer Schuhe.

Sie konnten aus Metall gefertigt und bei kostbaren Ausführungen mit geschliffenen Steinen oder anderen dekorativen Materialien besetzt sein.

Damit wurde selbst der Verschluss eines Schuhs zu Schmuck.

Gerade an der Herrenmode lässt sich gut erkennen, wie stark Kleidung im Barock als Gesamtkunstwerk verstanden werden konnte:

Bestickter Rock, verzierte Weste, Seidenstrümpfe und elegante Schuhe bildeten gemeinsam eine sorgfältig komponierte Erscheinung.

Fächer – Kunstwerke in der Hand

Der Fächer gehört zu den faszinierendsten Accessoires der höfischen Damenmode.

Im Europa des 17. Jahrhunderts waren sowohl feste als auch faltbare Fächer bekannt. Besonders der faltbare Fächer gewann zunehmend an Bedeutung.

Seine Konstruktion bestand aus schmalen Stäben, die beispielsweise aus Holz, Elfenbein, Schildpatt oder anderen kostbaren Materialien gefertigt werden konnten. Darüber oder dazwischen befand sich ein bemaltes oder anderweitig verziertes Blatt.

Handelskontakte mit Asien spielten für die europäische Fächerkultur eine wichtige Rolle. Gleichzeitig entstanden in Europa spezialisierte Werkstätten und eigene Gestaltungsformen.

Auf den Fächerblättern erschienen mythologische Szenen, Landschaften, höfische Darstellungen, Blumen und ornamentale Dekorationen.

Damit wurde der Fächer zu einer kleinen tragbaren Bildfläche.

Er konnte kühlen, die Hand beschäftigen, Gesten begleiten und zugleich Wohlstand und Geschmack sichtbar machen.

Die heute populäre Vorstellung einer fest kodifizierten „Fächersprache“, bei der jede einzelne Haltung eine geheime Botschaft bedeutete, sollte für die Barockzeit allerdings mit Vorsicht betrachtet werden. Viele der später verbreiteten Regeln wurden erst nachträglich popularisiert.


Handschuhe – Luxus aus feinem Leder

Handschuhe gehörten sowohl zur praktischen Kleidung als auch zur höfischen Ausstattung.

Besonders feine Lederhandschuhe konnten aus sehr weichen Häuten gefertigt werden. Kostbare Exemplare wurden bestickt, mit Spitze versehen oder anderweitig dekoriert.

Eine besonders interessante Verbindung bestand zwischen Handschuhmacherei und Parfümerie.

Parfümierte Handschuhe waren bereits seit der Renaissance bekannt und entwickelten sich an europäischen Höfen zu begehrten Luxusartikeln. Duftstoffe konnten dabei helfen, den charakteristischen Geruch gegerbten Leders zu überdecken und machten aus einem Gebrauchsgegenstand ein kostbares Modeobjekt.

In Frankreich waren Handschuhmacher und Parfümeure eng miteinander verbunden; unter Ludwig XIV. wurde ihre Verbindung sogar institutionell organisiert.

So konnte ein Accessoire nicht nur gesehen und gefühlt, sondern sogar gerochen werden.

Schmuck – Licht auf Haut und Stoff

Barocke Kleidung lebte vom Spiel des Lichtes.

Glänzende Seide, Metallstickerei und Spitze reagierten bereits auf jede Bewegung – Schmuck verstärkte diesen Effekt zusätzlich.

Perlen waren im 17. Jahrhundert besonders beliebt.

Sie erschienen als Halsketten, Ohrringe, Haarschmuck und konnten auch unmittelbar an Kleidung angebracht werden.

Daneben spielten Diamanten und andere Edelsteine eine wichtige Rolle.

Gerade im Verlauf des 17. Jahrhunderts verbesserten sich die Möglichkeiten des Diamantschliffs. Dadurch konnte das Licht stärker reflektiert werden und Schmuck gewann noch mehr Brillanz.

Broschen, Anhänger, Ringe, Ohrringe und Schmuckelemente am Kleid gehörten zur höfischen Repräsentation.

Auch Männer trugen Schmuck.

Kostbare Knöpfe, Schuhschnallen, Degengriffe, Orden und andere dekorative Elemente konnten ebenso Teil männlicher Selbstdarstellung sein.

Der Degen – Waffe und Statussymbol

Zum vollständigen Erscheinungsbild eines vornehmen Herrn gehörte über lange Zeit häufig auch der Degen.

Er war selbstverständlich eine Waffe, besaß aber gleichzeitig eine gesellschaftliche und modische Funktion.

Besonders aufwendig gearbeitete Griffe und Gefäße konnten aus kostbaren Materialien bestehen und kunstvoll dekoriert sein.

Der Degen wurde mit einem entsprechenden Gehänge am Körper getragen und beeinflusste dadurch sogar Haltung und Bewegung.

Bei höfischen Darstellungen sollte er deshalb nicht einfach als militärisches Detail verstanden werden.

Er war Teil der männlichen Repräsentationskultur.


Spazierstock – Eleganz und Haltung

Auch der Stock entwickelte sich zu einem modischen Begleiter des vornehmen Herrn.

Griffe konnten aus Metall, Elfenbein oder anderen kostbaren Materialien gefertigt und reich gestaltet werden.

Wie zahlreiche andere Accessoires bewegte sich der Stock damit zwischen Funktion und Repräsentation.

Er ergänzte die Silhouette und bot zugleich eine weitere Möglichkeit, Material, Verarbeitung und gesellschaftliche Stellung sichtbar zu machen.

Muff – Wärme als Luxus

Nicht jedes Accessoire diente ausschließlich der Dekoration.

Der Muff hielt die Hände warm und konnte zugleich ein ausgesprochen luxuriöses Modeobjekt sein.

Gefertigt wurde er unter anderem aus Pelz oder kostbaren Textilien. Je nach Mode konnte seine Größe erheblich variieren.

Muffs erscheinen sowohl in der Damen- als auch in der Herrenmode der frühen Neuzeit, wenngleich ihre Verbreitung und Gestaltung zeitlichen Veränderungen unterlagen.

Auch hier verband sich ein praktischer Gegenstand mit modischer Repräsentation.

Accessoires waren Zeichen gesellschaftlicher Stellung

Ein Fächer war nicht einfach ein Fächer.

Ein Paar Handschuhe war nicht einfach ein Paar Handschuhe.

Entscheidend waren Material, Herkunft, Verarbeitung und Dekoration.

Ein kunstvoll bemalter Fächer, feine parfümierte Lederhandschuhe, Diamantschmuck oder ein aufwendig gearbeiteter Degengriff konnten beträchtliche Werte darstellen.

Gleichzeitig existierten selbstverständlich einfachere Ausführungen.

Accessoires erlaubten deshalb eine besonders feine Abstufung gesellschaftlicher Repräsentation.

Man konnte Wohlstand nicht nur durch das Kleidungsstück selbst zeigen, sondern durch jedes einzelne Detail, das dazu getragen wurde.

Ein vollständiges Erscheinungsbild

Wer heute ein historisches Porträt betrachtet, konzentriert sich häufig zuerst auf das Kleid oder den prächtigen Herrenrock.

Doch es lohnt sich, den Blick weiterwandern zu lassen.

Auf die Schuhe.

Auf die Hände.

Auf den Fächer.

Auf die Perlen am Hals.

Auf die Federn eines Hutes.

Auf den Griff eines Degens.

Denn die Menschen des Barock präsentierten nicht einfach einzelne Kleidungsstücke.

Kleidung, Frisur und Accessoires bildeten gemeinsam ein sorgfältig gestaltetes Erscheinungsbild.

Und manchmal verrät gerade das kleinste Accessoire erstaunlich viel über Zeit, Mode, Rang und gesellschaftliche Stellung seines Besitzers.

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