Wie die Empire-Mode entstand - England begann, Paris übertrieb

Wie die Empire-Mode entstand - England begann, Paris übertrieb

Um 1800 veränderte sich die Damenmode radikal. Schwere Stoffe, enge Korsetts und breite Reifröcke verschwanden zunehmend. An ihre Stelle traten fließende Kleider mit hoher Taille, weichen Stoffen und einer neuen, beinahe natürlichen Silhouette.
Doch dieser Wandel begann nicht in Paris.
Die ersten Schritte in Richtung Empire-Mode entstanden in England während der Revolutionsjahre. Dort wurden Kleider schlichter, die Taille rückte nach oben, die Röcke verloren an Volumen und die Ärmel wurden schmaler. Die neue Mode wirkte zurückhaltender, leichter und deutlich weniger künstlich als die aufwendig gebaute Kleidung des späten 18. Jahrhunderts.

Vor allem die hohe Taille veränderte das gesamte Erscheinungsbild. Das Kleid begann nun direkt unter der Brust und fiel von dort in langen, geraden Linien nach unten. Der Körper sollte nicht mehr geformt und eingeschnürt werden, sondern natürlicher wirken.

In Paris wurde diese neue englische Mode begeistert aufgenommen. Sie passte zur politischen Stimmung der Zeit und erinnerte viele an antike Gewänder, wie man sie von griechischen oder römischen Figuren kannte. Die schlichten, hochtaillierten Kleider wirkten fast republikanisch – als Gegenbild zu den schweren, höfischen Gewändern des alten Adels.
Doch Paris beließ es nicht bei dieser schlichten Eleganz.
Was in England noch verhältnismäßig zurückhaltend war, wurde in Frankreich bald deutlich extremer. Die Kleider wurden transparenter, enger und körpernäher. Korsetts verschwanden teilweise ganz, Unterröcke wurden reduziert, und manche Stoffe waren so fein, dass sie beinahe durchsichtig wirkten.

Source: French fashion print “Le Prétexte”, Public Domain / Wikimedia Commons

Besonders beliebt waren leichte Materialien wie Musselin, Batist, Linon oder feine Seide. Diese Stoffe ließen die Kleider weich fallen und verliehen ihnen Bewegung. Statt schwerer Stickereien, großer Schleifen und aufwendiger Verzierungen stand nun der Stoff selbst im Mittelpunkt.
Die Mode sollte leicht wirken – fast schwerelos.
In Paris entwickelte sich daraus jedoch bald eine Mode, die von Zeitgenossen als provokant empfunden wurde. Manche Damen trugen ihre Kleider über sehr dünnen Untergewändern oder sogar nur über einem feinen Trikot. Die neue Silhouette wirkte dadurch weniger wie ein klassisches Kleid und mehr wie eine zweite Haut.

Louis-Léopold Boilly, Public domain, via Wikimedia Commons

Nicht wenige Zeitgenossen empfanden diese Mode als skandalös. Kritiker warfen den Damen vor, zu viel Haut zu zeigen und die Grenze zwischen Eleganz und Freizügigkeit zu überschreiten. Gleichzeitig bewunderten viele die neue Leichtigkeit und die moderne Wirkung der Kleidung.
Gerade dieser Gegensatz macht die Empire-Mode bis heute so spannend.
Sie war nicht nur schlicht, sondern auch mutig. Sie löste sich von alten Regeln, von schweren Konstruktionen und von der Vorstellung, dass Kleidung vor allem Stand und Reichtum zeigen müsse.
Die Empire-Mode wollte nicht mehr beeindrucken durch Masse, Volumen und Dekoration.
Sie wirkte durch Linie, Stoff und Bewegung.
Und genau darin liegt bis heute ihre besondere Schönheit.

Wenn du tiefer in die Form, die zeitliche Einordnung und die Bedeutung eines Kleides dieserZeit eintauchen möchtest, findest du hier die Ausarbeitung.

(Dort enthalten: Analyse, Einordnung, Materialbetrachtung und eine Skizze zum Ausmalen)

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