Jeanne Lanvin und die Robe de Style | Die elegante Mode der 1920er Jahre

Jeanne Lanvin und die Robe de Style | Die elegante Mode der 1920er Jahre

Wenn heute von den Goldenen Zwanzigern gesprochen wird, denken viele sofort an gerade geschnittene Flapperkleider, Fransen und den berühmten Garçonne-Look. Doch die Mode der 1920er Jahre war weit vielfältiger.

Während Designerinnen wie Coco Chanel den modernen, sportlichen Stil prägten, entwickelte Jeanne Lanvin eine völlig andere Vision. Ihre Robe de Style verband historische Eleganz mit moderner Haute Couture und wurde zu einer der außergewöhnlichsten Abendkleider ihrer Zeit.

Bis heute zählen diese Kleider zu den schönsten Schöpfungen der französischen Modegeschichte.

 

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Wer war Jeanne Lanvin?

Jeanne Lanvin (1867–1946) gründete ihr Modehaus 1889 in Paris und entwickelte es zu einem der bedeutendsten Couture-Häuser Frankreichs.

Interessanterweise begann ihre Karriere nicht mit Damenmode, sondern mit Kinderkleidung. Für ihre Tochter Marguerite entwarf sie außergewöhnlich elegante Kleider, die schnell die Aufmerksamkeit wohlhabender Kundinnen auf sich zogen.

Aus diesen ersten Entwürfen entstand zunächst eine Kinderkollektion, später Damenmode und schließlich ein internationales Modehaus.

Bis heute erinnert das berühmte Lanvin-Logo an Jeanne Lanvin und ihre Tochter Marguerite – ein Symbol ihrer engen Beziehung.

Weitere Information.

Die Mode der 1920er Jahre

Nach dem Ersten Weltkrieg veränderte sich die Damenmode grundlegend.

Frauen wünschten sich mehr Bewegungsfreiheit, kürzere Röcke und eine unkomplizierte Silhouette.

Der sogenannte Garçonne-Stil wurde zum Symbol dieser neuen Zeit.

Gerade Schnitte, tief sitzende Taillen und eine nahezu knabenhafte Figur prägten das Modebild.

Doch nicht jede Frau wollte ihre Weiblichkeit hinter geraden Linien verbergen.

Warum entwickelte Jeanne Lanvin die Robe de Style?

Jeanne Lanvin entschied sich bewusst für einen anderen Weg.

Anstatt den geraden Flapper-Look zu übernehmen, schuf sie eine elegante Silhouette, die historische Inspirationen mit moderner Tragbarkeit verband.

Die Robe de Style war keine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern eine zeitgemäße Neuinterpretation historischer Formen.

Sie sprach Frauen an, die sich eine romantischere, weichere und festlichere Mode wünschten.

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Was zeichnet eine Robe de Style aus?

Die Robe de Style lässt sich an mehreren charakteristischen Merkmalen erkennen:

  • tief sitzende Taille

  • körpernahes Oberteil

  • glockenförmig ausgestellter Rock

  • aufwendige Handstickereien

  • luxuriöse Stoffe

  • außergewöhnliche Detailverarbeitung

Gerade diese Kombination machte das Kleid zu einem Blickfang auf Bällen, Empfängen und festlichen Abendveranstaltungen.

Historische Vorbilder

Jeanne Lanvin kopierte keine historischen Kleider.

Stattdessen griff sie charakteristische Elemente verschiedener Epochen auf und übersetzte sie in die Mode der 1920er Jahre.

Rokoko

Besonders deutlich zeigt sich die Inspiration durch die französische Hofmode des 18. Jahrhunderts.

Die elegante Weite des Rocks erinnert an die prachtvollen Paniers des Rokoko.

Allerdings ersetzte Lanvin die schweren Gestelle durch eine deutlich leichtere Konstruktion.

Die Krinoline des 19. Jahrhunderts

Auch die Krinoline beeinflusste ihre Entwürfe.

Statt monumentaler Reifröcke entstand jedoch eine moderne, bewegliche Glockensilhouette, die das Tanzen und Gehen erleichterte.

Zeitgenössische Fachliteratur bezeichnet die Robe de Style sogar ausdrücklich als Weiterentwicklung der Kriegskrinoline.

Romantische Einflüsse

Einige Modehistoriker sehen außerdem stilistische Parallelen zur romantischen Mode des frühen 19. Jahrhunderts.

Diese Interpretation stützt sich vor allem auf die jugendliche Eleganz und die floralen Verzierungen vieler Modelle.

Konstruktion – Haute Couture als Architektur

Die wahre Meisterleistung der Robe de Style lag im Inneren des Kleides.

Das schlichte Oberteil bildete einen bewussten Kontrast zum voluminösen Rock.

Durch raffinierte Schnittführung, große Stoffmengen und leichte innere Stützkonstruktionen entstand eine Silhouette, die opulent wirkte und dennoch erstaunlich beweglich blieb.

Gerade diese Verbindung aus Technik und Eleganz machte Jeanne Lanvin zu einer der bedeutendsten Couturièren ihrer Zeit.

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Edle Materialien

Für ihre Robes de Style verwendete Jeanne Lanvin ausschließlich hochwertige Materialien.

Besonders häufig finden sich:

  • Seidentaft

  • Satin

  • Samt

  • Organza

  • Chiffon

  • feiner Tüll

  • Lamé

Diese Stoffe verliehen den Kleidern Volumen, Eleganz und eine außergewöhnliche Lichtwirkung.

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Die Handschrift Jeanne Lanvins

Ein Lanvin-Kleid erkennt man häufig bereits an seinen Details.

Typisch sind:

  • kunstvolle Perlenstickereien

  • Glasperlen und Kristalle

  • florale Motive

  • geometrische Art-déco-Ornamente

  • dreidimensionale Stoffblumen

  • luxuriöse Applikationen

Viele dieser Verzierungen entstanden in spezialisierten Werkstätten des Hauses Lanvin und wurden vollständig von Hand gefertigt.

Das berühmte Bleu Lanvin

Neben ihrer unverwechselbaren Silhouette wurde auch eine Farbe zum Markenzeichen des Hauses.

Das berühmte Bleu Lanvin, ein zarter Blauton, entwickelte sich zu einem Symbol der Marke und findet sich bis heute in vielen Entwürfen wieder.

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Warum verschwand die Robe de Style?

Keine Mode bleibt für immer.

Bereits Ende der 1920er Jahre begann sich das Modebild erneut zu verändern.

Mehrere Entwicklungen führten dazu, dass die Robe de Style allmählich verschwand.

Die Weltwirtschaftskrise

Nach 1929 ging die Nachfrage nach besonders aufwendiger Haute Couture deutlich zurück.

Luxuriöse Stoffe, aufwendige Handstickereien und große Stoffmengen wurden für viele Kundinnen unerschwinglich.

Neue Silhouetten

Designerinnen wie Madeleine Vionnet etablierten den Schrägschnitt (Bias Cut).

Die neue Mode schmiegte sich fließend an den Körper an und benötigte keine aufwendigen inneren Konstruktionen mehr.

Rückkehr der natürlichen Taille

Mit Beginn der 1930er Jahre kehrte die Taille an ihre natürliche Position zurück.

Die Mode bevorzugte nun lange, elegante und körpernahe Linien.

Die charakteristische Silhouette der Robe de Style wirkte dadurch zunehmend aus der Zeit gefallen.

Wo kann man heute originale Robes de Style sehen?

Erhaltene Originale befinden sich heute unter anderem in den Sammlungen des:

  • Metropolitan Museum of Art (New York)

  • Los Angeles County Museum of Art (LACMA)

  • Victoria and Albert Museum (London)

Diese Kleider zeigen eindrucksvoll, welches handwerkliche Niveau die französische Haute Couture bereits vor über 100 Jahren erreichte.

Die Robe de Style war weit mehr als ein elegantes Abendkleid.
Sie verkörperte Jeanne Lanvins Überzeugung, dass moderne Mode nicht auf Weiblichkeit verzichten musste.
Während viele Designerinnen der 1920er Jahre den geraden Garçonne-Stil feierten, verband Lanvin historische Eleganz mit zeitgemäßer Couture. Genau diese einzigartige Verbindung macht die Robe de Style bis heute zu einem Meilenstein der Modegeschichte.

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