Frauenmode im Barock Teil 3 – Silhouette, Kleider und Unterbauten

Frauenmode im Barock Teil 3 – Silhouette, Kleider und Unterbauten

Teil 3 der Serie: Die Barockmode

Nachdem wir im zweiten Teil die Entwicklung der Barockmode kennengelernt haben, widmen wir uns nun der Frauenkleidung. Kaum eine andere Epoche verbindet man so sehr mit prachtvollen Kleidern, kostbaren Stoffen und kunstvollen Verzierungen wie den Barock. Doch das elegante Erscheinungsbild entstand nicht allein durch das Oberkleid – vielmehr beruhte die typische Silhouette auf einem sorgfältig aufgebauten System aus Unterwäsche, Unterbauten und mehreren Kleidungsschichten.

Je nach Zeitraum und Region unterschieden sich Schnitte und Details erheblich. Dennoch lassen sich einige grundlegende Merkmale erkennen, die die Frauenmode des Barock prägten.

Das Schönheitsideal

Das weibliche Schönheitsideal des Barock orientierte sich an einer aufrechten Körperhaltung und einer deutlich betonten Taille. Der Oberkörper wirkte lang und schlank, während die Röcke durch mehrere Unterröcke oder seitliche Hüftpolster an Volumen gewannen.

Besonders an den europäischen Fürstenhöfen sollte Kleidung Eleganz, Wohlstand und gesellschaftlichen Rang sichtbar machen. Aufwendige Stoffe und fein gearbeitete Verzierungen unterstrichen den hohen Status ihrer Trägerin.

Die Kleidung entstand Schicht für Schicht

Die Kleidung wurde von innen nach außen aufgebaut. Eine vollständige höfische Garderobe bestand häufig aus mehreren Lagen.

Typischer Aufbau:

  • Leinenhemd als unterste Schicht

  • Schnürbrust (Stays) zur Formung des Oberkörpers

  • Unterröcke

  • je nach Zeit und Region Hüftpolster oder Reifröcke

  • Oberrock

  • Mieder oder geschlossenes Oberteil

  • Schleppe oder Mantel bei festlichen Anlässen

Nicht jede Frau trug sämtliche Bestandteile. Umfang und Qualität der Kleidung richteten sich nach Vermögen, gesellschaftlichem Stand und Anlass.

Das Leinenhemd – Die wichtigste Kleidungsschicht

Die unterste Kleidungsschicht einer Frau im Barock war das Leinenhemd, auch Chemise oder Shift genannt. Es wurde direkt auf der Haut getragen und bildete die Grundlage der gesamten Garderobe. Während kostbare Oberkleider aus Seide, Samt oder Brokat nur selten gereinigt werden konnten, ließ sich das Leinenhemd regelmäßig waschen und schützte so die wertvollen Stoffe vor Schweiß, Hautfetten und Verschmutzungen.

Leinen eignete sich dafür besonders gut. Die Naturfaser nimmt Feuchtigkeit schnell auf und gibt sie ebenso rasch wieder an die Umgebung ab. Dadurch fühlte sich das Gewebe auch an warmen Tagen vergleichsweise kühl an. Gleichzeitig ist Leinen äußerst strapazierfähig und wurde durch häufiges Waschen sogar weicher, ohne seine Festigkeit zu verlieren – ideale Eigenschaften für ein Kleidungsstück, das täglich getragen wurde.

Die meisten Leinenhemden waren schlicht gearbeitet und bestanden aus rechteckigen Stoffbahnen, die mit eingesetzten Keilen (Zwickeln) und quadratischen Achseleinsätzen eine große Bewegungsfreiheit ermöglichten. Aufwendige Schnitte waren nicht erforderlich, da hochwertiges Leinen kostbar war und möglichst wenig Stoff verschnitten werden sollte.

Je nach gesellschaftlichem Stand unterschieden sich Materialqualität und Verarbeitung. Einfache Frauen trugen meist schlichte Leinenhemden ohne Verzierung. Wohlhabende Bürgerinnen und Adelige besaßen dagegen häufig besonders feines Leinen, dessen Hals- und Ärmelabschlüsse mit schmaler Klöppelspitze oder feiner Weißstickerei verziert sein konnten. Selbst diese dekorierten Varianten blieben jedoch funktionale Unterwäsche und waren normalerweise unter der Oberkleidung verborgen.

Das Leinenhemd war somit weit mehr als nur ein Unterkleid: Es sorgte für Hygiene, Tragekomfort und Bewegungsfreiheit und bildete die unverzichtbare Grundlage der barocken Damenkleidung.

Die Schnürbrust

Die Schnürbrust gehörte zu den wichtigsten Bestandteilen der Damenkleidung. Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung diente sie ursprünglich nicht dazu, eine extrem schmale Taille zu erzeugen. Vielmehr formte sie den Oberkörper zu einer glatten, aufrechten Silhouette und bot gleichzeitig Halt für die darüberliegende Kleidung.
Gefertigt wurde sie meist aus mehreren Lagen Leinen und wurde durch schmale Verstärkungen – beispielsweise aus Fischbein oder später auch Rohr – stabilisiert. Ihre Form veränderte sich im Laufe des 17. und frühen 18. Jahrhunderts.

Unterrock

Warum wurde der Unterrock über der Schnürbrust getragen?

Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass der Unterrock unter der Schnürbrust getragen wurde. Tatsächlich war jedoch das Gegenteil der Fall: Nachdem das Leinenhemd angezogen und die Schnürbrust fest geschnürt war, wurde der Unterrock über der Schnürbrust an der Taille festgebunden.

Ein wichtiges Detail sind dabei die charakteristischen Hüftlaschen, auch Tabs genannt, am unteren Rand der Schnürbrust. Diese eingeschnittenen Laschen machten das ansonsten steife Kleidungsstück beweglicher und sorgten dafür, dass es sich beim Sitzen oder Gehen besser an die Hüfte anpasste.

Gleichzeitig bildeten die Hüftlaschen eine stabile Auflagefläche für die an der Taille befestigten Unterröcke. Das Gewicht der oft mehreren übereinander getragenen Röcke verteilte sich dadurch gleichmäßiger über die Hüfte und wurde nicht nur von einem schmalen Bund getragen. Die Schnürbrust unterstützte somit nicht nur die Körperhaltung, sondern trug auch einen Teil des Gewichts der darüberliegenden Kleidung.

Dieses durchdachte Schichtsystem zeigt, dass die barocke Damenkleidung weit mehr war als reine Mode. Jede Lage erfüllte eine praktische Funktion und trug dazu bei, Komfort, Stabilität und die charakteristische Silhouette der Epoche zu schaffen.

Nach den grundlegenden Unterkleidern entstand die endgültige Silhouette durch weitere Kleidungsschichten:

Hüftpolster oder Reifrock (je nach Zeit und Region)
Vergrößerten die Rockweite und formten die charakteristische Silhouette.


Sichtbarer Oberrock (Petticoat)
Der dekorative Oberrock bestand häufig aus kostbaren Stoffen wie Seide oder Brokat und konnte bestickt oder gemustert sein.


Mieder oder geschlossenes Oberteil (Robe)
Das Oberteil wurde über der Schnürbrust getragen und verband sich mit dem Rock zum repräsentativen Barockkleid.


Schleppe oder Mantel (bei höfischen und festlichen Anlässen)
Je nach Anlass ergänzten Schleppe, Mantel oder weitere repräsentative Kleidungsstücke die Garderobe.

Röcke und Silhouette

Der Rock bildete den auffälligsten Teil der Kleidung. Sein Volumen entstand vor allem durch mehrere Unterröcke. Im Laufe der Barockzeit wurden zusätzlich verschiedene Unterbauten verwendet, die den Stoff seitlich oder rundum stützten.

Während im Frühbarock eher kegelförmige Silhouetten vorherrschten, entwickelte sich die Kleidung im Hoch- und Spätbarock zunehmend zu breiteren und eleganter fallenden Formen.

Stoffe und Farben

Adlige Damen bevorzugten luxuriöse Materialien wie Seide, Damast, Brokat und Samt. Gold- und Silberfäden, aufwendige Stickereien sowie feine Spitzen gehörten zu den kostbarsten Verzierungen der Zeit.

Beliebte Farben waren unter anderem:

  • tiefes Rot

  • Königsblau

  • Smaragdgrün

  • Gold

  • Silber

  • Elfenbein

  • zarte Pastelltöne, besonders im späteren Barock

Die Auswahl hing nicht nur vom persönlichen Geschmack ab, sondern auch von der Verfügbarkeit hochwertiger Farbstoffe und den finanziellen Möglichkeiten.

Verzierungen

Barocke Damenkleidung zeichnete sich durch ihren reichen Dekor aus. Besonders beliebt waren:

  • Seidenschleifen

  • Posamenten

  • Metallspitzen

  • Stickereien

  • Borten

  • Spitzenmanschetten

  • dekorative Knöpfe

  • Perlen und Edelsteine

Dennoch war die Verzierung nicht beliebig. Ihre Gestaltung folgte den jeweiligen Modetrends der Zeit und unterschied sich zwischen den europäischen Regionen.

Kleidung als Ausdruck gesellschaftlicher Stellung

Im Barock zeigte Kleidung auf den ersten Blick den gesellschaftlichen Rang einer Person. Hochwertige Stoffe, aufwendige Handarbeit und kostbare Verzierungen waren teuer und blieben überwiegend dem Adel und wohlhabenden Bürgern vorbehalten.

In verschiedenen europäischen Ländern regelten sogenannte Kleiderordnungen zeitweise sogar, welche Materialien oder Schmuckformen von bestimmten Bevölkerungsgruppen getragen werden durften. Diese Vorschriften sollten gesellschaftliche Unterschiede sichtbar machen, wurden jedoch nicht überall gleich streng umgesetzt.


Die Frauenmode des Barock war das Ergebnis eines sorgfältig aufgebauten Kleidungssystems. Schnürbrust, Unterröcke und kostbare Oberstoffe formten gemeinsam die charakteristische Silhouette dieser Epoche. Gleichzeitig spiegelte die Kleidung gesellschaftliche Werte, wirtschaftliche Möglichkeiten und den kulturellen Einfluss der europäischen Fürstenhöfe wider.

Im nächsten Teil dieser Serie widmen wir uns der Herrenmode des Barock und betrachten die Entwicklung von Justaucorps, Weste, Kniehose, Perücke und höfischer Kleidung.

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