Die Entwicklung der Barockmode (1600–1750) Teil 2 der Serie: Die Barockmode

Die Entwicklung der Barockmode (1600–1750) Teil 2 der Serie: Die Barockmode

Im ersten Teil dieser Serie haben wir die historischen Grundlagen der Barockzeit kennengelernt. Doch obwohl man häufig von der Barockmode spricht, blieb die Kleidung während dieser rund 150 Jahre keineswegs unverändert. Im Gegenteil: Zwischen den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts und der Mitte des 18. Jahrhunderts wandelten sich Schnitte, Silhouetten und modische Ideale erheblich.

Wer historische Kleidung datieren möchte, sollte diese Entwicklung kennen. Ein Kleid aus dem Jahr 1620 unterscheidet sich deutlich von einem Gewand aus den 1720er-Jahren – obwohl beide zur Barockzeit gehören.

Mode entwickelt sich ständig weiter

Mode war bereits im Barock einem ständigen Wandel unterworfen. Neue Stoffe, technische Entwicklungen in der Textilherstellung, politische Veränderungen und vor allem der Einfluss der europäischen Fürstenhöfe sorgten dafür, dass sich Kleidungsstile immer wieder veränderten.

Besonders Frankreich entwickelte sich im Laufe des 17. Jahrhunderts zum Vorbild der europäischen Mode. Viele Höfe orientierten sich an den Trends aus Paris und später am Hof von Versailles. Dennoch behielten einzelne Länder ihre eigenen Besonderheiten bei, sodass sich die Mode nicht überall gleichzeitig oder in identischer Form entwickelte.

Frühbarock (ca. 1600–1650)

Die Mode des Frühbarock stand noch deutlich unter dem Einfluss der späten Renaissance.

Typisch waren:

  • hohe, häufig steife Krägen oder große Spitzenkragen

  • eher kegelförmige Silhouetten bei Frauen

  • schwere, kostbare Stoffe

  • reich verzierte Ärmel

  • vergleichsweise dunkle und satte Farben

Männer trugen Kniehosen, Wämser und Umhänge. Im Laufe der ersten Jahrzehnte wurden die Formen allmählich weicher, und die Kleidung gewann an Beweglichkeit.

Hochbarock (ca. 1650–1700)

Mit der Regierungszeit Ludwigs XIV. erreichte die höfische Mode ihren größten Einfluss.

Die Kleidung wurde eleganter und repräsentativer. Frauenkleider betonten nun stärker den Oberkörper, während die Röcke weiter und fließender wurden. Aufwendige Seidenstoffe, Brokate, Stickereien und Spitzen bestimmten das Erscheinungsbild.

Auch die Herrenmode entwickelte sich weiter. Das Justaucorps – ein langer, taillierter Rock – setzte sich zunehmend durch. Kniehosen, lange Westen und reich verzierte Mäntel prägten das höfische Erscheinungsbild. Große Allongeperücken wurden zu einem wichtigen Statussymbol.

Spätbarock (ca. 1700–1730/1750)

Im frühen 18. Jahrhundert begann sich die Mode erneut zu verändern.

Die Kleidung wirkte insgesamt leichter und eleganter. Stoffe fielen weicher, Farben wurden häufig heller, und florale Muster gewannen an Bedeutung. Die Silhouetten entwickelten sich allmählich in Richtung der Formen, die später das Rokoko kennzeichnen sollten.

Diese Entwicklung verlief jedoch nicht überall gleichzeitig. Während Frankreich häufig neue Modetrends vorgab, hielten andere Regionen Europas länger an älteren Formen fest.

Frankreich als europäisches Modezentrum

Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde Frankreich zur führenden Modenation Europas. König Ludwig XIV. förderte gezielt die Herstellung hochwertiger Seidenstoffe, Spitzen, Stickereien und luxuriöser Textilien. Dadurch sollte die französische Wirtschaft gestärkt und zugleich der kulturelle Einfluss Frankreichs vergrößert werden.

Die höfische Kleidung aus Versailles wurde vielerorts nachgeahmt. Schneider, Stoffhändler und Kunsthandwerker orientierten sich an französischen Vorbildern, wodurch sich zahlreiche Modetrends in Europa verbreiteten.

Barockmode war nicht überall gleich

Trotz des starken französischen Einflusses existierten regionale Unterschiede.

Spanische Hofkleidung blieb teilweise länger streng und formell. Englische Kleidung entwickelte nach der Restauration eigene charakteristische Merkmale. Italienische Städte galten weiterhin als bedeutende Zentren der Seidenproduktion und beeinflussten die europäischen Luxusstoffe.

Deshalb ist es bei historischen Kleidungsstücken wichtig, sowohl die Entstehungszeit als auch die Herkunft zu berücksichtigen.

Die Barockmode war keine starre Stilrichtung, sondern entwickelte sich über rund 150 Jahre kontinuierlich weiter. Politische Veränderungen, wirtschaftliche Entwicklungen und der Einfluss der europäischen Fürstenhöfe führten immer wieder zu neuen Schnitten, Stoffen und Silhouetten.
Wer historische Kleidung verstehen oder datieren möchte, sollte deshalb nicht nur den Begriff „Barock“ kennen, sondern auch zwischen Frühbarock, Hochbarock und Spätbarock unterscheiden. Diese Einteilung erleichtert es, Kleidungsstücke zeitlich einzuordnen und ihre charakteristischen Merkmale besser zu erkennen.
Im nächsten Teil dieser Serie beschäftigen wir uns ausführlich mit der Frauenmode des Barock – von der Silhouette über die einzelnen Kleidungsstücke bis hin zu den Unterbauten, die das typische Erscheinungsbild dieser Epoche formten.

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