Der dekorative Luxus der Rokoko-Mode: Schnürleiber, Schleifen und sichtbare Unterröcke Im Verlauf des 18. Jahrhunderts veränderte sich die Rokoko-Mode nicht nur in ihrer Silhouette, sondern vor allem in ihrem Reichtum an Stoffen, Verzierungen und sichtbarem Luxus. Während die frühen Jahrzehnte noch von großen Reifröcken und breiten Panierformen geprägt waren, wurden die Kleider später beweglicher, raffinierter drapiert und noch aufwendiger dekoriert.

Besonders auffällig war, dass der große Reifrock nach und nach an Bedeutung verlor. Zunächst blieb er zwar als Hofkleidung und für feierliche Anlässe erhalten, doch im Alltag wurden die Formen kleiner und praktischer. Statt des gewaltigen Panierrockes entstand eine elegantere Silhouette, bei der der Oberrock gerafft und zu den Seiten oder nach hinten gezogen wurde. Dadurch wurde der darunterliegende Rock sichtbar – und genau dieser sichtbare Unterrock entwickelte sich zu einer wichtigen Fläche für Verzierungen.
Im Rokoko bestand das Kleid oft aus einem sogenannten Doppelrock. Der untere Rock war sichtbar, während der obere Rock darüber lag und vorne geöffnet oder dekorativ hochgerafft wurde. Besonders ab der Mitte des Jahrhunderts sah man immer häufiger große Stoffbauschen an den Seiten und im Rücken. Dadurch entstand ein reiches Spiel aus verschiedenen Stoffen, Farben und Lagen.

Während sich der Rock deutlich veränderte, blieb das Oberteil über Jahrzehnte fast unverändert. Die Kleider waren weiterhin sehr tief ausgeschnitten und extrem eng geschnürt. Die Taille sollte möglichst schmal wirken, der Oberkörper aufgerichtet und der Brustbereich betont erscheinen. Typisch waren auch die Ärmel, die bis zum Ellenbogen reichten und dort in weiten Manschetten endeten.

Der Schnürleib war dabei eines der wichtigsten Elemente der weiblichen Mode – und zugleich eines der unbequemsten. Viele Frauen trugen ihn den ganzen Tag und oft sogar nachts. Im Inneren befanden sich Metall- oder Blechverstärkungen, die den Körper in die gewünschte Form zwangen. Ärzte und Kritiker des 18. Jahrhunderts beschrieben diese Schnürleiber teilweise als gesundheitsschädlich und warnten vor den Folgen des extremen Einschnürens. Trotzdem hielt sich dieses Schönheitsideal noch lange Zeit.
Je stärker der sichtbare Unterrock in den Mittelpunkt rückte, desto aufwendiger wurde seine Gestaltung. Auf den Stoffen fanden sich Rüschen, Schleifen, Spitzen, Blumen, Borten, Posamenten, Pompons und Stickereien. Besonders beliebt waren italienische Blumenmuster und reich verzierte Stoffe. Nicht selten bestanden die Kleider aus mehreren Lagen unterschiedlich dekorierter Stoffe, die alle gleichzeitig sichtbar waren.

Auch am Oberteil nahm die Verzierung immer weiter zu. Kleine Schleifen entlang des Ausschnitts galten als besonders modisch. Später wurden sogar ganze Korsagen mit Schleifen, Bändern und Stoffblumen bedeckt. Das Kleid sollte nicht nur schön wirken, sondern möglichst kostbar, aufwendig und luxuriös erscheinen.
Die Rokoko-Mode war deshalb weit mehr als nur Kleidung. Sie war ein sichtbares Zeichen von Reichtum, gesellschaftlichem Rang und Stilbewusstsein. Je reicher ein Kleid dekoriert war, desto stärker zeigte es den Wohlstand seiner Trägerin. Besonders am Hof wurde Mode zu einer Art Inszenierung, bei der Stoffe, Schmuck und Verzierungen fast wichtiger wurden als die eigentliche Form des Kleides.
Porträts von Frauen wie Madame de Pompadour zeigen sehr gut, wie prachtvoll diese Mode wirken konnte. Große Schleifen, Blumen, glänzende Stoffe, tiefe Ausschnitte und üppige Drapierungen machten Rokoko-Kleider zu kleinen Kunstwerken. Gleichzeitig zeigen die erhaltenen Darstellungen aber auch, wie eng die Schönheitsideale und wie unbequem diese Mode oft gewesen sein muss.

Wer sich heute historische Mode ansieht, denkt oft zuerst an große Röcke. Doch gerade die vielen kleinen Details – Schleifen, Stickereien, sichtbare Unterröcke und aufwendige Stoffe – machen die wahre Besonderheit der Rokoko-Mode aus.
(Dort enthalten: Analyse, Einordnung, Materialbetrachtung und eine Skizze zum Ausmalen)
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