Das Rokoko war nicht immer unbeweglich: Négligé, Adrienne und die lockere Seite der Mode

Das Rokoko war nicht immer unbeweglich: Négligé, Adrienne und die lockere Seite der Mode

Wer heute an Rokoko-Mode denkt, denkt oft zuerst an breite Reifröcke, enge Korsetts und prachtvolle Hofkleider. Doch die Mode des 18. Jahrhunderts bestand nicht nur aus schweren Staatsroben und strengen Silhouetten. Neben der offiziellen Hofmode entwickelte sich in Frankreich schon früh eine zweite, weichere Kleiderform: das sogenannte Négligé.
Gerade diese locker fallenden Kleider zeigen, dass das Rokoko nicht nur aus steifen Reifröcken bestand. Sie wirken freier, fließender und oft überraschend modern.

Was bedeutete „Négligé“ im Rokoko?

Heute denkt man bei dem Wort „Négligé“ meist an ein privates oder leichtes Hauskleid. Im 18. Jahrhundert war der Begriff jedoch viel weiter gefasst.

Ein Négligé war grundsätzlich jedes Kleid, das nicht für große höfische Zeremonien bestimmt war. Es konnte also ein Hauskleid, Straßenkleid oder sogar Reisekleid sein. Im Gegensatz zur aufwendigen Staatsrobe wirkte es weniger streng und deutlich bequemer.

Besonders in Frankreich gewann diese Form der Kleidung immer mehr an Bedeutung. Frauen wollten nicht ständig die schweren, steifen Hofkleider tragen und bevorzugten für den Alltag oft weichere, lockerere Schnitte.

Die Adrienne – das lockere Kleid mit Rückenfalte

Eine besonders bekannte Form dieses lockeren Rokoko-Kleides war die sogenannte Adrienne oder Andrienne.

Typisch für dieses Kleid war, dass Oberteil und Rock oft wie aus einem Stück wirkten. Statt einer stark betonten Taille fiel der Stoff weich nach unten. Die Silhouette wirkte lang, locker und leicht kegelförmig.

Das auffälligste Merkmal war jedoch die große Rückenfalte. Der Stoff fiel vom Rücken locker nach unten und bildete weite, elegante Bahnen. Genau aus dieser Form entwickelte sich später die berühmte Watteau-Falte, die heute als eines der bekanntesten Merkmale des Rokoko gilt.

Diese weiten Rückenfalten verliehen den Kleidern etwas Bewegliches und Fließendes. Im Vergleich zu den streng gebauten Hofkleidern wirkten sie fast entspannt.

Woher kam der Name Adrienne?

Über den Ursprung des Namens gibt es verschiedene Erklärungen.

Eine bekannte Geschichte besagt, dass die Schauspielerin Madame Dancourt den Schnitt im Jahr 1703 erstmals auf der Bühne trug. Sie spielte damals in der Komödie „Andria“ von Terenz, weshalb sich daraus der Name Andrienne oder Adrienne entwickelt haben soll.

Eine andere Erklärung behauptet, dass eine junge Gräfin mit diesem Namen die Form populär machte, um einen kleinen körperlichen Makel zu verbergen.

Ganz sicher ist nur: Der Schnitt verbreitete sich schnell und wurde zu einer wichtigen Alternative zur schweren Hofmode.

Locker – aber trotzdem mit Korsett

Auch wenn diese Kleider weicher und bequemer wirkten, bedeutete das nicht, dass Frauen auf Korsetts verzichteten.

Unter den locker fallenden Kleidern wurde weiterhin geschnürt. Das Korsett blieb ein wichtiger Bestandteil der Mode. Der Unterschied lag vor allem darin, dass der Stoff darüber weicher fiel und die Körperform weniger streng betonte.

Das Rokoko liebte also auch bei diesen Kleidern die schöne Linie – nur auf eine entspanntere Weise.

Viele Namen für ähnliche Kleider

Die lockeren Rokoko-Kleider tauchten in vielen Ländern unter verschiedenen Namen auf.

Neben Adrienne und Volante gab es unter anderem Bezeichnungen wie:

  • Innocente

  • Polonaise

  • Pierrot

  • Circassienne

  • Robe à la Turque

  • À la Créole

  • Kontusche in Deutschland

Das zeigt, wie beliebt diese weicheren Kleiderformen im gesamten Europa des 18. Jahrhunderts waren.

Das Rokoko war vielfältiger, als man denkt

Gerade diese lockereren Kleider beweisen, dass die Rokoko-Mode nicht nur aus steifen Reifröcken und riesigen Hofkleidern bestand.

Neben den prachtvollen Staatsroben gab es auch fließende, weich fallende Formen, die den Alltag angenehmer machten und trotzdem elegant wirkten. Die berühmten Rückenfalten, die lockeren Stoffbahnen und die weniger strenge Silhouette verleihen diesen Kleidern eine besondere Schönheit.

Rokoko konnte gleichzeitig prachtvoll und leicht, streng und verspielt, höfisch und überraschend modern sein.

Wenn du tiefer in die Form, die zeitliche Einordnung und die Bedeutung eines Kleides dieserZeit eintauchen möchtest, findest du hier die Ausarbeitung.

(Dort enthalten: Analyse, Einordnung, Materialbetrachtung und eine Skizze zum Ausmalen)

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