Barock Herrenmode teil 4 – Die Entwicklung vom Wams zum Justaucorps

Barock Herrenmode teil 4 – Die Entwicklung vom Wams zum Justaucorps

Teil 4 der Serie: Die Barockmode

Während die Damenmode des Barock vor allem durch ihre ausladenden Röcke und kunstvoll gestalteten Mieder geprägt war, entwickelte sich auch die Herrenkleidung im Laufe des 17. und frühen 18. Jahrhunderts grundlegend. Zwischen dem Frühbarock und dem Übergang zum Rokoko veränderten sich Schnitte, Silhouetten und Kleidungsstücke mehrfach.

Besonders der französische Hof unter Ludwig XIV. beeinflusste die europäische Herrenmode nachhaltig. Dennoch verlief diese Entwicklung nicht überall gleich. Regionale Unterschiede und zeitliche Verzögerungen führten dazu, dass ältere Kleidungsformen in manchen Ländern noch lange getragen wurden.

Das Schönheitsideal

Das barocke Schönheitsideal für Männer unterschied sich deutlich von heutigen Vorstellungen. Angestrebt wurde eine aufrechte Haltung mit breiten Schultern, einer schmal wirkenden Taille und langen Beinen. Eleganz zeigte sich weniger durch Muskelkraft als durch Haltung, hochwertige Kleidung und gepflegtes Auftreten.

Am Hof galt ein harmonisches Gesamtbild als Ausdruck von Bildung, Wohlstand und gesellschaftlichem Rang.

Die Kleidung entstand ebenfalls in mehreren Schichten

Auch die Herrengarderobe bestand aus mehreren Lagen.

Ein vollständiges höfisches Gewand konnte bestehen aus:

  • Leinenhemd

  • Halsbinde oder Jabot

  • Weste

  • Justaucorps

  • Kniehose

  • Strümpfe

  • Schuhe mit Absatz und Schnalle

  • Mantel oder Umhang, je nach Anlass

Welche Kleidungsstücke getragen wurden, hing von Zeit, Region und gesellschaftlicher Stellung ab.

Vom Wams zum Justaucorps

Im frühen 17. Jahrhundert dominierte noch das Wams – ein eng anliegendes, tailliertes Oberteil, dessen Ursprünge bis in die Renaissance zurückreichen. Es wurde über dem Leinenhemd getragen und bildete zusammen mit der Kniehose den Kern der damaligen Herrenkleidung.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts verlängerte sich das Wams allmählich und verlor nach und nach seine ursprüngliche Form. Gleichzeitig entstand eine neue Art der Kleidung in mehreren Schichten. Aus dem ehemals dominierenden Wams entwickelten sich zwei eigenständige Kleidungsstücke: die Weste (Waistcoat) als körpernahes Untergewand und das Justaucorps als langer, repräsentativer Überrock.

Ab etwa den 1660er-Jahren setzte sich das Justaucorps zunehmend an den europäischen Fürstenhöfen durch. Es zeichnete sich durch seinen taillierten Schnitt, lange Schöße, breite Ärmelaufschläge und eine Reihe dekorativer Knöpfe aus. Getragen wurde es stets über einer langen, häufig reich bestickten Weste.

Diese Kombination aus Weste, Justaucorps und Kniehose entwickelte sich zum charakteristischen Erscheinungsbild der höfischen Herrenmode des Hochbarocks und blieb – mit modischen Veränderungen – bis weit ins 18. Jahrhundert erhalten.

Silhouette, die bis weit ins 18. Jahrhundert hinein die europäische Herrenmode prägte.

Kniehosen und Strümpfe

Die Kniehose war ein fester Bestandteil der barocken Herrenkleidung. Sie reichte bis knapp unter das Knie und wurde dort mit Bändern, Knöpfen oder Schnallen geschlossen.

Dazu trug man lange Seiden- oder Wollstrümpfe. Vor allem am Hof gehörten fein gestrickte Seidenstrümpfe zu den sichtbaren Zeichen von Wohlstand.

Stoffe und Farben

Für höfische Kleidung wurden bevorzugt hochwertige Materialien verwendet.

Dazu gehörten unter anderem:

  • Seide

  • Samt

  • Brokat

  • Damast

  • feine Wolltuche

Besonders festliche Gewänder waren mit Gold- oder Silberfäden bestickt. Auch Spitzen an Manschetten und Halsabschlüssen gehörten zur höfischen Mode.

Die Farbpalette war vielfältig. Tiefes Rot, Blau, Grün und Purpur galten als besonders repräsentativ. Im frühen 18. Jahrhundert wurden zunehmend auch hellere Farbtöne beliebt.

Perücken und Frisuren

Eine der auffälligsten Erscheinungen der Herrenmode waren die großen Perücken.

Bereits im 17. Jahrhundert kamen Perücken in Mode, ihren Höhepunkt erreichten sie jedoch unter Ludwig XIV. Die sogenannten Allongeperücken bestanden aus langen, gelockten Haarpartien und verliehen ihrem Träger ein besonders repräsentatives Erscheinungsbild.

Nicht jeder Mann trug jedoch eine derart aufwendige Perücke. Umfang und Ausführung richteten sich nach Vermögen, gesellschaftlichem Rang und Anlass.

Schuhe und Accessoires

Barocke Herrenschuhe bestanden meist aus Leder und besaßen einen Absatz. Charakteristisch waren große Metallschnallen oder dekorative Schleifen.

Zum höfischen Erscheinungsbild gehörten außerdem:

  • Handschuhe

  • Spazierstock oder Stockdegen

  • Hut, häufig mit Federbesatz

  • Schwert als Standeszeichen

  • Spitzenmanschetten

  • Orden oder Ehrenzeichen bei offiziellen Anlässen

Viele dieser Accessoires hatten nicht nur eine praktische, sondern auch eine repräsentative Funktion.

Kleidung als Ausdruck gesellschaftlicher Stellung

Wie bei der Damenmode spiegelte auch die Herrenkleidung den gesellschaftlichen Rang wider. Hochwertige Stoffe, aufwendige Stickereien und kostbare Accessoires machten Wohlstand unmittelbar sichtbar.

Am Hof von Versailles unterlagen Kleidung und Auftreten festen Regeln. Der Adel investierte erhebliche Summen in seine Garderobe, um den höfischen Erwartungen zu entsprechen und seine gesellschaftliche Stellung zu unterstreichen.



Die Herrenmode des Barock entwickelte sich von den noch renaissancegeprägten Formen des frühen 17. Jahrhunderts zu den eleganten und repräsentativen Gewändern des Hochbarocks. Justaucorps, Weste, Kniehose, Perücke und reich verzierte Stoffe wurden zu charakteristischen Merkmalen der Epoche.

Im nächsten Teil unserer Serie widmen wir uns den Stoffen, Farben und Verzierungen der Barockmode. Wir zeigen, welche Materialien besonders begehrt waren, wie luxuriöse Textilien hergestellt wurden und welche Bedeutung Farben und Stickereien im höfischen Europa hatten.

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